Halswirbelsäule - Spezielle Neuroanatomie

Chronische Schmerzen an der Halswirbelsäule gehen in erster Linie von den unteren cervicalen Bewegungssegmenten C5 bis TH1 aus. Hier finden sich einerseits die stärksten pathologisch-anatomischen Veränderungen aufgrund der besonderen Belastungssituation an der Biegungsstelle des cervico-thorakalen Überganges und andererseits liegen Spinalnerven, Sympathikusgeflecht und Arteria vertebralis in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Form- und Funktionsstörungen des Bewegungssegmentes.
Auch der Kopf-/Halsübergang ist häufig Ausgangspunkt chronischer Kopfschmerzen und Schwindelerscheinungen. Ausgangspunkte sind Gelenkkapselreizungen, Funktionsstörungen und Formveränderungen im Bereich der atlanto-occipitalen und Atlas-/Axisgelenke.

Es gibt 7 Halswirbel und 8 cervicale Rückenmarksegmente. Infolge Wachstumsverschiebung liegen Bewegungs- und Rückenmarksegmente nicht immer auf gleicher Höhe. Die von kranial nach kaudal zunehmende Verschiebung ist bereits in den unteren cervicalen Segmenten deutlich. Auf die Dornfortsätze bezogen liegen die Rückenmarksegmente im unteren Halsbereich einen Wirbel höher. Die Spinalnervenwurzeln von C4 an abwärts verlaufen nach kaudal und lateral absteigend, zu ihrer Austrittsstelle durch das Foramen intervertebrale. Segmentale Syndrome werden nach der betroffenen Spinalnervenwurzel bezeichnet. Die Zahl kennzeichnet dabei gleichzeitig den unteren Wirbelkörper des lädierten Bewegungssegmentes. Bei einem C6-Syndrom ist zum Beispiel die Bandscheibe C5/ C6, beim C7-Syndrom die Bandscheibe C6/C7 betroffen. Die Wurzel C8 tritt durch das Foramen intervertebrale C7/TH1.
Eine genaue Identifikation des betroffenen Segmentes ist für die lokale Therapie, bei der cervicalen Spinalnervenanalgesie sowie bei der Operation wichtig. Mit der Diskografie bzw. dem Distensionstest und den zahlreichen operativen Eingriffen beim Cervicalsyndrom war es in den letzten Jahren möglich, rein empirisch die Erkenntnisse vom Versorgungsbereich der einzelnen spinalen Nervenwurzeln zu ermitteln. Die cervical bedingten Wurzelreizsyndrome treten meistens monoradikulär auf. Überschneidungen und Mischsymptome können sich bei Anastomose unter den Spinalnerven, die zum Teil schon innerhalb des Durasackes stattfinden und bei gleichzeitiger Irritation zweier oder mehrerer Nervenwurzeln ergeben.

Am häufigsten sind die Wurzeln C6, C7 und C8 betroffen. Die Dermatome der Wurzelreizsyndrome mit Ausbreitung bis zur Hand zeigen im Ober- und Unterarmbereich Überschneidungen.
Allen gemeinsam ist ein dorsolaterales Schmerzband und Parästhesiefelder an Schulter und Oberarm. Am Unterarm liegt das C6-Syndrom mehr auf der radialen und das C8-Syndrom mehr auf der ulnaren Streckseite. Das C7-Syndrom befindet sich dazwischen.

Halssympathikus

Von besonderer klinischer Bedeutung ist die unmittelbare Nachbarschaft der Arteria vertebralis und des Halssympathikus zur Unkovertebralregion der unteren cervicalen Bewegungssegmente. Diese nahe Nachbarschaft klärt, das beide bei den sich hier abspielenden Alterungsprozessen in Mitleidenschaft gezogen werden können und für eine vielschichtige neurovaskuläre Symptomatik in Frage kommen. Der Halsgrenzstrang des Sympathikus, der über die Rr. communicates grisei mit den Spinalnerven in Verbindung steht, bestreitet mit drei Halsganglien die vegetative Innervation der Kopf-/Halsregion und der oberen Extremitäten. Das obere umfaßt die Segmente C1-C4, das mittlere C5-C6 und das untere, das mit dem obersten Thorakalganglion zum Ganglion stellatum verschmolzen ist, die Segmente C7-TH2. Dem Ganglion stellatum kommt eine besondere Bedeutung als Großverteilerstelle zu, da alle efferenten und fast alle afferenten sympathischen Fasern der Kopf, Hals, Arm und oberen Thorax diese Stelle durchlaufen. Von hier aus gelangen die Fasern u.a. auch über den sympathischen, arteriellen Plexus der Arteria vertebralis nach kranial. 
Untersuchungen von Hovelacque ((1925), Wrete (1934), Kummer (1984), Kehr und Jung (1985) und Bogduk und Mitarbeitern (1988) haben auf die Verflechtungen des Halssympathikus mit den cervicalen Spinalnerven und der Arteria vertebralis aufmerksam gemacht. Sympathische Nervenfasern ziehen von allen drei Halsganglien des Grenzstranges zu den Spinalnerven C4-C8 und umgreifen teilweise die Arteria vertebralis.