Lendenwirbelsäule - Basistherapie von Schmerzen an der Lendenwirbelsäule

Eine Reihe allgemeiner therapeutischer Maßnahmen, wie Bettruhe, Wärme, Applikation, Massage und Elektrotherapie, Gabe von Analgetika, greifen in irgend einer Form in den Circulus vitiosus Schmerz-Verspannung-Schmerz ein und führen in leichteren Fällen allein zur Beschwerdefreiheit. Da lumbale Bandscheiben in der Horizontallagerung mit Abflachung der Lendenlordose durch Anwinklung der Hüft- und Kniegelenke am wenigsten belastet sind, empfiehlt sich als Erstmaßnahme die sog. Stufenlagerung.

Wärme in Form von Fangopackungen, Heizkissen und Infrarotlicht wirkt schmerzlindernd und baut die Muskelverspannungen ab. Bei sehr starken Schmerzen gibt man zusätzlich Analgetika und Antiphlogistika.

Mit Massagen und Elektrotherapie wird beim akuten Lumbalsyndrom erst dann begonnen, wenn die akuten Erscheinungen durch Lagerung, Wärme und Analgetika weitgehend abgeklungen sind. Bei der Elektrotherapie kommen hochfrequente Ströme, niederfrequente Stromarten und Interferenzströme zur Anwendung.

Ultraschall führt zur Auflockerung von Ligamentosen und Insertionstendopathien, besonders im Bereich des Ligamentum interspinosum und der kurzen Rückenmuskeln. Diadynamik entfaltet eine analgetische Wirkung an Nervenwurzeln und Verzweigungen in der Tiefe. Mit der Kurzwelle erreicht man auch tiefergelegene Wirbelsäulenstrukturen.

Die Indikation für eine manuelle Therapie ist bei Schmerzen an der Lendenwirbelsäule dann gegeben, wenn eine akut aufgetretene lokale Wirbelgelenksymptomatik, eine Kreuzdarmbeingelenksymptomatik oder eine andere funktionelle Störung im Vordergrund steht. Diese ist durch genaue manuelle Untersuchungstechnik zu ermitteln. Bei intradiskalen Massenverschiebungen, Protrusionen und Prolapsen sollte man mit der manuellen Therapie zurückhaltend sein, da sich durch Manipulationen u.U. die Vorwölbungen verstärken können.

Bei verlagertem Bandscheibengewebe mit noch geschlossenem Anulus fibrosus besteht noch eine gute therapeutische Chance zur Rückverlagerung des Gewebes ins Bandscheibenzentrum durch Traktion. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Wirbelsäule im LWS-B ereich zu strecken, so z. B. durch Aushängen, Anlegen von Dauerzügen am Beckenkamm oder durch eine Streckbandage (Krämer, 1997). Die Extensionsbehandlung mit Schrägbett, Extensionstisch oder Perlgerät ist heute weitgehend durch den handlicheren Flexionswürfel kombiniert mit Wärmetherapie ersetzt worden. Mit dem Flexionswürfel erzielt man die gleiche reponierende Wirkung bei lumbalen Bandscheibenprotrusionen. Das Anpassen dieses orthopädischen Hilfsmittels mit individueller Einstellung der Kantenlänge je nach Behandlungsfortschritt erfolgt durch den Arzt in Abhängigkeit vom klinisch-neurologischen Befund, der regelmäßig überprüft werden muss.

Bei akuten und chronischen Schmerzen an der Lendenwirbelsäule, die durch intradiskale Massenverschiebungen und durch hyperlordotische Einstellung der Wirbelgelenke hervorgerufen werden, nutzt man die stützende und korrigierende Funktion von Flexionsorthesen. Indikationen ergeben sich bei postoperativer Segmentinstabilität, z. B. nach der Diskotomie, perkutane Nukleotomie und Chemonukleolyse. Aber auch die degenerative Lockerung mit Sinterung in den hinteren Anteile des Bewegungssegmentes stellt eine Indikation für lordoseabflachende Orthesen dar. Die Orthesen sollten durch intraabdominelle Druckerhöhung das Bewegungssegment entlasten und die Lordose der Lendenwirbelsäule abflachen. Mit der Abflachung der Lendenlordose kommt es zur Erweiterung der Zwischenwirbellöcher und des Wirbelkanals.

Bei der Krankengymnastik / Physiotherapie erreicht man eine Schmerzlinderung durch axiale Traktion, die in der Regel die entspannende Stufenlagerung zur Grundlage hat. Bei akuten Schmerzen ist es ohnehin nur möglich, aus dieser Haltung heraus zu arbeiten. Nach Abnahme der Beschwerden werden zunehmend andere Ausgangsstellungen eingenommen, bis die normale Lordose wieder erreicht ist. In diesen Ausgangsstellungen versucht der Patient wieder normale Bewegungsabläufe durchzuführen und dabei den betroffenen Wirbelsäulenbereich zu stabilisieren.